PETER ABLINGER Schwanenstadt, 1959 ablinger.mur.at Quadraturen III Instalación autómata Intermediae Matadero 10 - 28 nov +info bio artista descripción vídeo |
))) Peter Ablinger Peter Ablinger, geboren am 15. März 1959 in Schwanenstadt/Österreich. 1974-76 belegte er ein Graphikstudium an der HTL Linz. Begeistert für den Free Jazz studierte er anschließend von 1977-79 Jazz-Klavier an der Musikhochschule Graz. Ab 1979 nahm er privaten Kompositionsunterricht bei Gösta Neuwirth in Graz, parallel dazu bis 1982 auch bei Roman Haubenstock-Ramati in Wien. "Als ich das Gymnasium unterbrochen hatte, landete ich erst mal auf einer Graphikschule. Es war beides da damals: Ich habe Jazz gespielt und Bilder gemalt. Entschieden hat es sich, als ich gemerkt habe, daß ich alles, was ich in der Kunst gelernt habe, auf die Musik übertragen habe. Das Lernen ging vom Optischen zum Klanglichen, nicht umgekehrt. Das war der Grund, die Graphikschule abzubrechen. Man kann sagen, daß lange Zeit das erste, was ich von einer musikalischen Idee festhalten konnte, etwas Bildhaftes war, ein paar Striche auf dem Papier, keine Noten. Ein bildhaftes Symbol für eine Intenstität vielleicht. Aber so wie vorher schon die Begriffe, gingen mir dann auch die Bilder aus. Es blieb nur mehr der Klang übrig, oder etwas, das noch irrealer ist als Klang. "Klang" war nicht einfach Musik in ihrem zeitlichen Verlauf für mich, sondern etwas, das sich in einem Moment zeigt. Die zeitliche Entfaltung ist dabei eher etwas Zwangsläufiges, Unvermeidliches. Mein Interesse gehört aber dem Ganzen, das sich in einem Moment darstellt..." Seit 1982 lebt Ablinger in Berlin, wo er bis 1990 an der Musikschule Kreuzberg unterrichtete und seitdem als freischaffender Komponist tätig ist. 1988 gründete er das Ensemble Zwischentöne, das aus einem Kurs für experimentelle Musik und Improvisation an der Musikschule Kreuzberg hervorgegangen ist. Bis heute besteht das Ensemble sowohl aus Laienmusikern als auch aus Profis. Diese Mischung "bewahrt die Arbeit vor Routine und falscher Professionalität und ermöglicht die permanente Grenzüberschreitung, die das Leitmotiv der Zwischentöne ist." Die Auseinandersetzung mit unüblichen Instrumenten, Spielorten, Aufführungspraktiken und Notationsformen sind paradigmatisch für die Arbeit des Ensembles. Im Wintersemester 1992/1993 unterrichtete Ablinger als Gastprofessor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit initiierte und leitete er etliche Festivals, u. a. die Klangwerkstatt 1990-1992, 1996 Zeit Geben 1-3, 1997 Insel Musik, 1998 Zehn Jahre Zwischentöne, 1999 Musik für Orte 1-3. Im selben Jahr war Ablinger Gastdozent der Wiener Tage für zeitgenössische Klaviermusik. 2001 organisierte er die Konzertreihe "Musik für den Blick nach draußen" und erhielt ein Stipendium der Villa Aurora, Los Angeles. Gemeinsam mit Bernhard Lang, Klaus Lang, Nader Mashayekhi und dem Historiker und Kunstfreund Siegwald Ganglmair, gründete er - als "eine der Zeit angemessene Vertriebsstruktur" - den Verlag ZEITVERTRIEB WIEN BERLIN, dessen Grundprinzip der Nicht-Abhängigkeit der ästhetischen Entfaltung zugute kommen soll. 1996 war Ablinger Gastkomponist des Instituts für Elektronische Musik Graz und Stipendiat der Heinrich Strobel Stiftung in Freiburg. 1998 erhielt er den Förderpreis des Kunstpreis Berlin. Ablingers Werke wurden u. a. aufgeführt bei: Wiener Festwochen, Berliner Festwochen, Darmstädter Ferienkurse, Musikprotokoll des Steirischen Herbstes, Wien Modern, Biennale Berlin, Triennale Köln, Prager Frühling, Hörgänge Wien, Donaueschinger Musiktage, Internationales Musikfestival Istanbul, Klangaktionen München, Los Angeles resistance fluctuation, Musica Nova Sofia und dem Festival of Vision Hong Kong. Seine Werke mit Installationscharakter wurden u. a. an folgenden Orten präsentiert: Offenes Kulturhaus Linz, Neue Galerie der Stadt Graz, Stadttheater Gießen, Neue Musik Rümlingen, Stadtgalerie Kiel, Molkereiwerkstatt Köln, Podewil Berlin, Maerzgalerie Linz, Diözesanmuseum Köln, Wittener Tage, Rote Fabrik Zürich, Santa Monica Museum of the Arts, Kunsthalle Karlsplatz Wien. Peter Ablinger schafft musikalische Situationen, in denen die Wahrnehmungsfähigkeit des Hörers oft stark unter- oder überfordert wird, um ihn dazu anzuregen, seine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von Wirklichkeit zu schärfen. Die Eintonkomposition Ohne Titel/2 Klarinetten (1993) versteht Ablinger weniger als Stück denn als eine Art "architektonischen Eingriff", der den Raum, in dem man sich befindet, verändert und dadurch bewusst macht, dass der gleiche Ton niemals der gleiche ist. Durch das Sich-Aufhalten an dieser feinen Grenze wird "Anwesenheit" (unmittelbares Im Augenblick-Sein) wahrscheinlich gemacht. Bisweilen erinnert Ablingers Musik mit ihrem Anliegen, reine Gegenwart erfahrbar zu machen, an spirituelle Übungen: In Exercitium 1-6 für Gitarre (1997) werden alle Saiten der Gitarre sukzessive so hoch gestimmt, bis sie reissen. Die musikalische Situation ist bis zum äußersten "gespannt", da jederzeit der Augenblick des "Jetzt", des Reissens der Saite, stattfinden kann. Ablingers Werk gliedert sich in mehrere parallele Zyklen. Neben einer Reihe rein instrumentaler Stücke bis zu 25 Spielern (Der Regen, das Glas, das Lachen (1994)) beschäftigt ihn bereits seit 1980 eine Werkreihe mit dem Titel weiss/weisslich (bislang 36 Teile). Ihre Verfahrensweise erinnert teilweise an musikalische "Ready-mades", bei denen der Komponist neben der Auswahl der musikalischen Situationen auf jede weitere Bearbeitung verzichtet. Einige der sogenannten "Hinweisstücke" bestehen sogar lediglich aus ihrem Titel (z. B. weiss/weisslich 9a: Windweg: Gehen, und den Wind hören; weiss/weisslich 19: Hand hinters Ohr halten/wegnehmen). Die Komposition von Eintonstücken zu Beginn der 1990er Jahre (z. B. anfangen(:aufhören), 1991, oder Ohne Titel/14 Instrumentalisten, 1992) führte ihn zum entgegengesetzten Extrem: dem Experimentieren mit der Gleichzeitigkeit aller Töne, die sich im weißen Rauschen manifestiert (Zyklus Instrumente und Rauschen (seit 1995)). Zur selben Zeit begann er mit seiner Reihe Quadraturen. Für Quadraturen IV ("Selbstportrait mit Berlin") (1995-98) wurden verschiedene Mikrofonaufnahmen von Stadtlärm spektral analysiert und - gleichsam grob gerastert - auf Instrumente rückübertragen: der Ensembleklang verhält sich zur "Wirklichkeit" der zugrundeliegenden Aufnahmen als grober Raster, "Musik" und "Wirklichkeit" werden aufeinander bezogen, prinzipiell vergleichbar. Im Zyklus Instrumente und ElektroAkustisch Ortsbezogene Verdichtung (IEAOV) versucht Ablinger, am jeweiligen Ort der Aufführung neu instrumentale Klänge elektroakustisch so weit zu verdichten, dass eine Rausch-Fläche entsteht, die die Zeit in den Augenblick gleichsam "hochklappt". Die Zeit zum "Alles Immer" zu verdichten (schon seit seinen frühesten Werken eine Eigenart vieler Kompositionen Ablingers) mag zwar von visuellen Vorstellungen inspiriert sein. Dennoch will Ablingers Musik nichts außerhalb ihrer selbst repräsentieren oder symbolisieren, sondern sich selbst als schlicht Seiendes zeigen: "Die Klänge sind da, um zu hören ( - nicht um gehört zu werden. Das ist etwas anderes). Und das Hören ist da, um aufzuhören. Mehr weiß ich auch nicht."
Biografie, tabellarisch: verschiedene Tätigkeiten, Auszeichnungen (Auswahl): Konzerte (Auswahl): Installationen (Auswahl): Kombinierte Stücke, Musiktheater, Oper: Permanente Stücke:
Werkcharakteristik So wie andere die mit Klang arbeiten Unhörbarkeit kann auf verschiedene Weise entstehen. Durch Leisigkeit aber auch durch Lautheit. Hinzuzufügen ist, daß das Verhältnis von Hörbarkeit und Unhörbarkeit - im Gegenatz zu Klang/Pause - ein gewissermaßen transzendierendes ist. Erstens sind Hörbarkeit und Unhörbarkeit nicht einmal in der Idee absolut voneinander getrennt sondern durch ein "kritisches Band" miteinander verknüpft. Das heißt es gibt eine kritische Zone innerhalb derer, für jeden etwas unterschiedlich, der Übergang von der Hörbarkeit zur Unhörbarkeit passiert. Zweitens und wichtiger: Das Verhältnis von Hörbarkeit und Unhörbarkeit ist kein polares, sich ausschließendes sondern der Wechsel der Hörbarkeit zur Unhörbarkeit bedeutet einen Übergang in einen ANDEREN Zustand. Beispielsweise die Überschreitung einer gewissen Lautstärke wird zu Schmerz, die Überschreitung einer gewissen Frequenz wird zu Ultraschall, die Unterschreitung einer gewissen Dauer eines Tones wird zum Knack, die Überschreitung einer gewissen Informationsmenge wird zu Chaos oder Rauschen." |